Wie viele Menschen in Deutschland mit Demenz leben, wie viele jedes Jahr dazukommen, wie das Risiko mit dem Alter steigt und was bis 2050 erwartet wird. Mit Quelle und Jahr hinter jeder Zahl.
Demenz ist der häufigste Grund, aus dem in Deutschland ein Mensch dauerhaft Hilfe braucht, ohne körperlich krank zu wirken. Genau das macht sie in der Pflegebegutachtung zum Sonderfall: Wer noch selbst die Treppe hinaufkommt, aber vergisst, warum er hinaufgegangen ist, braucht Betreuung rund um die Uhr, und diese Betreuung taucht in keiner Messung der Beweglichkeit auf.
Diese Seite trägt zusammen, was sich über Demenz in Deutschland zahlenmäßig sagen lässt: wie viele Menschen betroffen sind, wie das Risiko mit dem Alter steigt, wie eng Demenz und Pflegebedürftigkeit zusammenhängen und was die Erkrankung kostet. Hinter jeder Zahl stehen Quelle und Stichjahr. Eine Vorbemerkung: Die Angaben zur Gesamtzahl schwanken je nach Erhebungsweg zwischen 1,7 und 2 Millionen, weil Krankenkassendaten, Hochrechnungen und Befragungen Unterschiedliches zählen.
Meine Meinung
Marlene Hoffmann, Redaktion
Die Zahl, die ich mir gemerkt habe, ist 62,3 Prozent. So hoch ist der Anteil der Menschen mit Demenz unter den Bewohnern deutscher Pflegeheime. Demenz ist damit kein Sonderfall der stationären Pflege, sondern ihr Regelfall, und trotzdem wird sie im Alltag oft wie eine Nebendiagnose behandelt, die nach der Beweglichkeit und dem Waschen abgefragt wird.
Auffällig finde ich auch den Sprung über die Altersgruppen. Zwischen 65 und 69 Jahren ist gut einer von hundert betroffen, ab 90 fast jede zweite Frau. Wer also überlegt, ob eine Demenz im Spiel sein könnte, sollte auf das Alter schauen, bevor er auf den Eindruck aus dem Besuch vom Sonntag schaut. Und der zweite Befund gehört dazu: Zwei Drittel der neu Erkrankten werden zu Hause versorgt, die Hälfte der Angehörigen fühlt sich belastet, und bei Angehörigen ohne Demenz im Haus sind es 27 Prozent.
Für die Begutachtung ist das Nüchterne wichtig: Die Module des Begutachtungsinstruments, die Verhalten, Kommunikation und die Gestaltung des Alltags betreffen, bilden genau die Einschränkungen ab, die bei einer Demenz auftreten, während Gehen und Treppensteigen lange unauffällig bleiben. Wer den Eindruck hat, dass der Bescheid davon nichts abbildet, hat nach der Bekanntgabe einen Monat Zeit für den Widerspruch.
Wie viele Menschen in Deutschland Demenz haben
Die am häufigsten genannte Zahl ist 1,8 Millionen. Sie beruht auf einer Hochrechnung und beschreibt alle Altersgruppen. Wer stattdessen die Diagnosen in den Abrechnungsdaten zählt, kommt auf andere Werte, deshalb stehen hier beide Wege nebeneinander.
1. Rund 1,8 Millionen Menschen leben mit einer Demenz
Im Jahr 2023 lebten in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz.1
2. 2,8 Prozent der Bevölkerung ab 40 Jahren sind betroffen
Für das Jahr 2022 ergibt sich eine Prävalenz von Demenzerkrankungen in Höhe von 2,8 Prozent in der Bevölkerung ab 40 Jahren.2
3. 1,2 Millionen Frauen und 0,6 Millionen Männer
Ende 2025 lebten in Deutschland rund 1,2 Millionen Frauen und 0,6 Millionen Männer mit einer Demenzerkrankung.3
4. Bei den Menschen ab 65 sind es 6,9 Prozent
Bei den ab 65-Jährigen lag die Demenzprävalenz in Deutschland im Jahr 2022 bei 6,9 Prozent.4
5. 2019 nannte das Gesundheitsministerium 1,7 Millionen
Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit litten im Jahr 2019 in Deutschland rund 1,7 Millionen Menschen an einer Demenz.5
6. Zwei von drei Erkrankten sind Frauen
Rund zwei Drittel aller Menschen mit Demenz in Deutschland sind Frauen. Das liegt wesentlich an ihrer höheren Lebenserwartung.6
7. Im Osten und im Ruhrgebiet liegt die Häufigkeit höher
Die Demenzprävalenz zeigt altersstandardisiert höhere Werte in Ostdeutschland sowie in Teilen Bayerns, im Ruhrgebiet und im Saarland.7
8. In Sachsen ist der Anteil am höchsten, in Hamburg am niedrigsten
Der Anteil von Menschen mit Demenz an der Bevölkerung ist Ende 2025 in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit je 2,6 Prozent am höchsten und in Hamburg mit 1,7 Prozent am niedrigsten.8
Wie viele neu erkranken und wie es weitergeht
Jedes Jahr kommen mehrere hunderttausend Erkrankungen hinzu. Weil die geburtenstarken Jahrgänge in das Alter mit dem höchsten Risiko hineinwachsen, steigt die Gesamtzahl auch dann, wenn das Erkrankungsrisiko je Altersjahr gleich bleibt.
9. Zwischen 364.000 und 445.000 Menschen erkranken pro Jahr neu
Im Jahr 2023 sind in der Altersgruppe ab 65 Jahren zwischen 364.000 und 445.000 Menschen neu an einer Demenz erkrankt.9
10. Zwei Drittel der Neuerkrankten bleiben zu Hause
Von den rund 360.000 Menschen, die 2023 im Alter ab 65 Jahren neu an Demenz erkrankten, wurden mehr als zwei Drittel in der häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut und gepflegt.10
11. Bis 2050 könnten es 2,7 Millionen Erkrankte sein
Nach Vorausberechnungen könnte die Zahl der Menschen mit Demenz ab 65 Jahren in Deutschland bis 2030 auf 1,9 Millionen, bis 2040 auf 2,3 Millionen und bis 2050 auf 2,7 Millionen steigen.11
| Menschen mit Demenz ab 65 Jahren | Zahl |
| 2023 (tatsächlich, alle Altersgruppen) | rund 1,8 Millionen |
| 2030 (Vorausberechnung) | bis zu 1,9 Millionen |
| 2040 (Vorausberechnung) | bis zu 2,3 Millionen |
| 2050 (Vorausberechnung) | bis zu 2,7 Millionen |
12. In Berlin soll sich die Zahl bis 2060 fast verdoppeln
Für Berlin wird geschätzt, dass die Zahl der Menschen mit Demenz von rund 51.500 auf gut 92.000 im Jahr 2060 steigen könnte.12
13. Die gemessene Häufigkeit ging zuletzt leicht zurück
Zwischen 2017 und 2022 sank die in den Abrechnungsdaten dokumentierte Häufigkeit von Demenzerkrankungen in Deutschland um nahezu 0,6 Prozentpunkte.13
14. Die Zahl der Alzheimer-Klinikfälle stieg in 20 Jahren um 82 Prozent
Rund 18.700 Patientinnen und Patienten wurden 2021 wegen Alzheimer stationär in deutschen Kliniken behandelt, 82 Prozent mehr als 20 Jahre zuvor.14
Wie das Risiko mit dem Alter steigt
Zwischen dem 65. und dem 90. Lebensjahr steigt die Häufigkeit um mehr als das Dreißigfache. Das ist die wichtigste Zahl dieser Seite, weil sie erklärt, warum die Erkrankung mit der Alterung der Bevölkerung mitwächst.
15. Zwischen 65 und 69 Jahren ist gut einer von hundert betroffen
Bei den 65- bis 69-Jährigen liegt die Demenzhäufigkeit bei 1,1 Prozent der Männer und 1,4 Prozent der Frauen.15
| Altersgruppe | Männer | Frauen |
| 65 bis 69 Jahre | 1,1 Prozent | 1,4 Prozent |
| 80 bis 84 Jahre | 10,78 Prozent (beide Geschlechter) |
| 90 Jahre und älter | 30,8 Prozent | 44,7 Prozent |
16. Zwischen 80 und 84 Jahren ist es jeder Zehnte
Bei den 80- bis 84-Jährigen lag die Demenzhäufigkeit in Deutschland im Jahr 2022 bei 10,78 Prozent.16
17. Ab 90 Jahren ist es fast jede zweite Frau
Bei den über 90-Jährigen liegt die Demenzhäufigkeit bei 44,7 Prozent der Frauen und 30,8 Prozent der Männer.17
18. Frauen sind mit 3,3 Prozent häufiger betroffen als Männer mit 2,4
Im Jahr 2022 betrug die Demenzprävalenz bei Frauen ab 40 Jahren 3,3 Prozent und bei Männern 2,4 Prozent.18
19. Zwei Drittel aller Demenzen sind Alzheimer-Demenzen
Etwa zwei Drittel aller Demenzerkrankungen sind Alzheimer-Demenzen.19
Wie eng Demenz und Pflegebedürftigkeit zusammenhängen
Für die Begutachtung ist das der entscheidende Abschnitt. In der stationären Pflege ist Demenz nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall, und der Anteil der Erkrankten mit anerkanntem Pflegegrad steigt seit Jahren. Wie sich die Pflegegrade insgesamt verteilen, steht in der Pflegegrad-Statistik.
20. Fast zwei Drittel der Heimbewohner haben eine Demenz
Bei den in der stationären Pflege versorgten Pflegebedürftigen betrug der Anteil der Menschen mit Demenz 2018 fast zwei Drittel, nämlich 62,3 Prozent.20
21. 78,5 Prozent der Erkrankten sind zugleich pflegebedürftig
Der Anteil der Menschen mit Demenzdiagnose, die zugleich pflegebedürftig waren, stieg von 68,1 Prozent im Jahr 2017 auf 78,5 Prozent im Jahr 2023.21
22. Bei ambulant versorgten Erstantragstellern ist es ein Drittel
Bei den Erstantragstellern, die ambulant versorgt wurden, betrug der Anteil der Menschen mit Demenz 2018 ein Drittel, nämlich 33,2 Prozent.22
23. 41 Prozent der Erkrankten im Heim bekommen ein Antipsychotikum
In Pflegeheimen erhalten 41 Prozent der Menschen mit Demenz mindestens einmal pro Quartal ein Antipsychotikum.23
24. Jeder fünfte Erkrankte im Heim hat Schlafstörungen
Jeder fünfte Mensch mit Demenz in einer stationären Langzeitpflegeeinrichtung in Deutschland ist von Schlafstörungen betroffen.24
Was die Angehörigen tragen
Die Betreuung eines Menschen mit Demenz unterscheidet sich von anderer Pflege vor allem darin, dass sie nicht planbar ist und nicht endet, wenn die Wäsche gemacht ist. Das schlägt sich in den Belastungszahlen nieder. Wie viele Menschen das insgesamt betrifft, zeigen die Zahlen zu pflegenden Angehörigen.
25. Etwa 1,5 Millionen Menschen versorgen einen Erkrankten
Allein in der Bevölkerungsgruppe ab 46 Jahren versorgen in Deutschland etwa 1,5 Millionen Personen einen Menschen mit Demenz.25
26. 3,5 Prozent der zweiten Lebenshälfte pflegen einen Menschen mit Demenz
In Deutschland unterstützten oder pflegten in den Jahren 2020 und 2021 3,5 Prozent der Personen in der zweiten Lebenshälfte einen Menschen mit Demenz.26
27. 24.000 Euro im Jahr entfallen je Fall auf unbezahlte Pflege
Von den jährlichen gesamtgesellschaftlichen Pro-Kopf-Kosten eines Menschen mit Demenz entfielen 24.000 Euro auf informelle, also unbezahlte Pflege durch Angehörige.27
28. Die Hälfte der Angehörigen fühlt sich belastet
Die Hälfte der Angehörigen, die einen Menschen mit Demenz unterstützen, fühlt sich durch diese Aufgabe belastet. Bei Unterstützenden von Menschen ohne Demenz sind es 27 Prozent.28
29. 70 Prozent der Firmen kümmern sich nicht darum
Für 70 Prozent der Unternehmen spielt die gezielte Unterstützung von Beschäftigten, die einen Angehörigen mit Demenz pflegen, keine wichtige Rolle.29
Was Demenz kostet
Die Kostenrechnungen zur Demenz fallen sehr unterschiedlich aus, je nachdem, ob nur die Ausgaben der Kassen gezählt werden oder auch die Arbeitszeit der Angehörigen einen Preis bekommt. Beide Perspektiven stehen hier nebeneinander. Was davon die Familien selbst tragen, rechnet die Statistik zu Pflegekosten und Eigenanteil vor.
30. Die Demenz kostete Deutschland 2020 rund 83 Milliarden Euro
Nach Berechnungen des DZNE beliefen sich die Kosten der Demenz in Deutschland im Jahr 2020 auf rund 83 Milliarden Euro.30
| Kosten der Demenz in Deutschland | Betrag |
| 2016 (gesamtgesellschaftlich) | 73 Milliarden Euro |
| 2020 (gesamtgesellschaftlich) | rund 83 Milliarden Euro |
| 2060 (Vorausberechnung) | 195 Milliarden Euro |
31. Das neue Alzheimer-Medikament kommt für jeden Zehnten infrage
Der Antikörper-Wirkstoff Lecanemab gegen Alzheimer kann nach Angaben der Techniker Krankenkasse nur bei etwa zehn Prozent der an Alzheimer erkrankten Menschen eingesetzt werden.31
32. Je Erkranktem sind es 44.659 Euro im Jahr
Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht, also einschließlich der unbezahlten Pflege durch Angehörige, betrugen die jährlichen Pro-Kopf-Kosten eines Menschen mit Demenz in Deutschland 44.659 Euro. Aus Sicht der Kranken- und Pflegekassen allein waren es 20.658 Euro.32
33. Für die Diagnose stehen gut 23.000 Fachärzte zur Verfügung
Zum 31. Dezember 2024 waren in Deutschland 10.070 Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie sowie 13.208 für Psychiatrie und Psychotherapie berufstätig.33
34. 36 Prozent der Fälle hängen mit beeinflussbaren Risiken zusammen
Rund 36 Prozent der Demenzfälle in Deutschland stehen mit Risikofaktoren in Verbindung, die sich grundsätzlich beeinflussen lassen.34
Demenz weltweit und in Europa
Deutschland steht mit dem Problem nicht allein. Die weltweiten Zahlen machen zugleich deutlich, wie stark die Erkrankung an die Altersstruktur eines Landes gebunden ist.
35. Weltweit leben 57 Millionen Menschen mit Demenz
Im Jahr 2021 lebten weltweit rund 57 Millionen Menschen mit Demenz.35
36. In Europa sind es 12,1 Millionen
In den EU-Staaten und den weiteren Ländern mit Mitgliedsverbänden von Alzheimer Europe lebten 2025 rund 12,1 Millionen Menschen mit Demenz, davon gut 9 Millionen in der EU.36
37. Jedes Jahr kommen fast 10 Millionen Neuerkrankungen hinzu
Weltweit kommen jedes Jahr fast 10 Millionen neue Demenzerkrankungen hinzu.37
38. In Deutschland starben 2024 61.927 Menschen an einer Demenz
In Deutschland wurden im Jahr 2024 nach der Todesursachenstatistik 61.927 Sterbefälle durch eine Demenzerkrankung verursacht.38
Quellenverzeichnis
1Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (dzne.de)
2Robert Koch-Institut (rki.de)
3Deutsche Alzheimer Gesellschaft (deutsche-alzheimer.de)
4Robert Koch-Institut (rki.de)
5Uniklinik Köln (psychiatrie-psychotherapie.uk-koeln.de)
6Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (dzne.de)
7Robert Koch-Institut (rki.de)
8Deutsche Alzheimer Gesellschaft (deutsche-alzheimer.de)
9Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (dzne.de)
10Deutsche Alzheimer Gesellschaft (deutsche-alzheimer.de)
11Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (dzne.de)
12AOK Nordost (aok.de)
13Robert Koch-Institut (rki.de)
14Statistisches Bundesamt (destatis.de)
15Deutsche Alzheimer Gesellschaft (deutsche-alzheimer.de)
16Robert Koch-Institut (rki.de)
17Deutsche Alzheimer Gesellschaft (deutsche-alzheimer.de)
18Robert Koch-Institut (rki.de)
19Robert Koch-Institut (rki.de)
20Medizinischer Dienst Bund (md-bund.de)
21AOK (aok.de)
22Medizinischer Dienst Bund (md-bund.de)
23Wissenschaftliches Institut der AOK (wido.de)
24Uniklinik Köln (uk-koeln.de)
25Zentrum für Qualität in der Pflege (zqp.de)
26Deutsches Zentrum für Altersfragen (dza.de)
27Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (pub.dzne.de)
28Deutsches Zentrum für Altersfragen (dza.de)
29Zentrum für Qualität in der Pflege (zqp.de)
30Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (dzne.de)
31Techniker Krankenkasse (tk.de)
32Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (pub.dzne.de)
33Bundesärztekammer (bundesaerztekammer.de)
34Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (dzne.de)
35Weltgesundheitsorganisation (who.int)
36Alzheimer Europe (alzheimer-europe.org)
37Weltgesundheitsorganisation (who.int)
38Statistisches Bundesamt (destatis.de)